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Neujahrsempfang der Stadt Trossingen
Mächtig viel los ist am Sonntag im Konzerthaus gewesen: Beim Neujahrsempfang der Stadt Trossingen begeisterte Bürgermeisterin Susanne Irion die Besucherinnen und Besucher mit ihrer Rede, gewürzt mit harten Fakten, einer Prise Humor und dem nötigen Optimismus.
Irion ging auf die Stadt als Gemeinschaft ein und erklärte, dass die Trossinger im Schnitt 41,3 Jahre alt seien und die Stadt damit sogar zu den jüngsten zwei Prozent aller Gemeinden in Baden-Württemberg zähle.
So ist es kein Wunder, dass die Stadt in Kindergärten (zum Beispiel den neuen Louise-Scheppler-Kindergarten) investiert und auch bei den Schulen deutlichen Erweiterungsbedarf hat. Die Pläne zur Sanierung und Erweiterung des Gymnasiums wurden deshalb auch im kleinen Saal gezeigt.
Die Bürgermeisterin ging auch auf den Rathausneubau, Hallensanierungen, die Ausstattung der Feuerwehr inklusive Erweiterung des Gerätehauses, den Neubau der Löhrschule, den Umzug der Rosenschule und die Sanierung der Kellenbachschule ein. Notwendigkeiten, die „ihren Schatten weit über das Jahrzehnt hinaus“ werfen.
Vieles spreche dafür, dass sich die finanzielle Lage der Städte und Gemeinden in den kommenden Jahren nicht entspannt. Trossingen gehöre schon seit Jahrzehnten zu den Städten mit unterdurchschnittlicher Gewerbesteuerausstattung, die mit 493 Euro pro Einwohner um 180 Euro spürbar unter dem Landesdurchschnitt liege. „Wir sind vergleichsweise wenig gewerbesteuerabhängig und sind insbesondere bei freiwilligen laufenden Aufgaben immer zurückhaltend gewesen“, so Irion weiter.
„An schlechten Tagen erwische ich mich beim allgemeinen Lamento, das da heißt ‚früher war alles besser‘. Aus ‚früher war alles besser‘ spricht dann auch aus mir das Heimweh nach Vergangenem. Dann merke ich, dass auch ich älter werde“, sagte sie und richtete den Fokus auf die Perspektive der jungen Generation. „Die Jugend hat Heimweh nach der Zukunft. Und sie hat auch ein Recht darauf.“ Und so sei es wichtig, daran zu denken, die Zukunft den nachfolgenden Generationen nicht madig zu machen. „Lassen wir uns lieber anstecken von neuen Ideen, vom Optimismus und lassen Sie uns mutig gemeinsam vorangehen.“
Eine tiefgreifende und schmerzhafte Haushaltskonsolidierung, wie sie in vielen anderen Kommunen stattfinden müsse, bleibe der Stadt für 2026 noch erspart.
„Wir bemühen uns trotzdem intensiv, als Wirtschaftsstandort zu wachsen. Aktuell laufen zwei Bebauungsplanänderungen zugunsten der Erweiterung erfolgreicher Betriebe in Schura und Trossingen. Zudem entwickeln wir mit Durchhausen und Talheim gleich zwei neue interkommunale Gewerbegebiete“, berichtete die Bürgermeisterin.
Die Sanierung des historischen Rathauses und der Neubau des Anbaus sind wohl das größte aktuelle Projekt, und Irion verglich dieses mit „einer längeren Operation am offenen Herzen“. Finanzen, Bildung und Soziales, Liegenschaften, Stadtkasse und Bürgerbüro sind seit einigen Monaten in den Räumen am Marktplatz untergebracht. Für die Bürger entstehe insbesondere im Bürgerbüro eine Verbesserung, da hier nun mehr Platz für vertrauliche Gespräche sei und niemand mehr in der Kälte warten müsse. Dauerhaft sei die Aufteilung auf insgesamt vier Standorte aber mit zu großen Reibungsverlusten verbunden. „Auch mir wäre lieber gewesen, wenn wir das Projekt in ruhigerem Fahrwasser hätten angehen können. Allerdings erhalten wir Fördermittel in Höhe von 30 Prozent, weil wir im Sanierungsgebiet liegen, und dieses Sanierungsgebiet hat ein Ablaufdatum. Also lautete die Entscheidung, entweder jetzt zu bauen oder die Maßnahme vermutlich auf Jahrzehnte nicht umzusetzen. Ich denke, die Zukunft wird zeigen, dass diese mutige Entscheidung des Rates richtig war“, zeigte sich Irion zuversichtlich.
Zuversichtlich ist sie auch mit Blick auf die Zukunft. Trotz aller Unwägbarkeiten und Schwierigkeiten haben Trossingen ein Stadtleben, das zwar nie vollkommen sein werde, für das aber alle mit klarem Kompass für das Große und für Morgen einstünden.
Für Musik sorgten unter anderem Schülerinnen und Schüler der Musikschule. Amina Derviskadic, Salomone Pomerico, Philippe Duclaux, Aaron Schüle, Ida Kempf, Noemi Rey, Johanna Grupp und Chae Bin Park spielten die Sarabande von Georg Friedrich Händel, ein Cembalosolo aus seiner vierten Suite in d-Moll, das heute in verschiedenen Bearbeitungen für Orchester und Einzelinstrumente bekannt ist. Ganz andere Klänge schlugen die jungen Musikerinnen und Musiker bei „No time to die“ von Billie Eilish an, dem Titelsong des jüngsten und gleichnamigen James-Bond-Films.
Im Anschluss der Ehrungen und Reden stand zum traditionellen Konzert beim Neujahrsempfang das „smart-kick-team“ der Stadtkapelle auf der Bühne. Die Musikerinnen und Musiker hatten bereits das beliebte Trossinger Heimatlied interpretiert, nun spielten sie im Bigband-Style fünf bekannte Stücke. Im April 2025 hatte das „smart-kick-team“ den ersten Bühnenauftritt. Schnell zeigte sich: Die neue Formation ist ein Erfolg. Das stellten die Musikerinnen und Musiker auch beim Neujahrsempfang wieder unter Beweis. Michael Lauenstein trat als besonderer Gast mit dem „smart-kick-team“ auf und sorgte am Akkordeon bei Mark Taylors „St. Thomas“ für Begeisterung.
Im Anschluss trafen sich die Besucherinnen und Besucher im Foyer und im Kleinen Saal zu einem Sektempfang und zum gemeinsamen Gespräch.

